Auch wenn die Arbeiten von Grafikdesignern meist kommenziellen Zwecken dienen, also höchstens als Gebrauchskunst bezeichnet werden können, sind sie manchmal von sehr hohem ästhetischen Wert und verdienen eine Vorstellung. Besonders im Bereich der Logoentwicklung sind im Laufe der Zeit einige Werke hervorgebracht worden, die unsere Beachtung verdienen.
Wer sind die Menschen hinter den Logos? Nachdem wir unsere Beitragsserie mit der Vorstellung von Anton Stankowski begonnen haben, wollen wir heute Kurt Weidemann vorstellen. Kurt Weidemann ist ein deutscher Grafikdesigner, Typograph und Autor, der für die Überarbeitung der Erscheinungsbilder vieler bedeutender Unternehmen bekannt geworden ist.
* 15. Dezember 1922 in Eichmedien, Ostpreußen/Masuren; † 30. März 2011 in Sélestat, Elsass
Seine Entwicklung zum hervorragenden Grafikdesigner ist interessant und abwechslungsreich. 1940 ging er als Kriegsfreiwilliger in den Krieg und kehrte erst 1950 als freigelassener Kriegsgefangener wieder. Doch die Kriegsgefangenschaft hat seinem Tatendrang und seiner Kreativität nicht geschadet, weshalb er auch noch 1950 eine Lehre zum Schriftsetzer in Lübeck begann und 1952 beendete. Dies war ihm nicht genug und er studierte anschließend noch von 1953 bis 1955 „Buchgrafik und Typographie an der staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart“. Seit 1955 ist Weidemann als Freiberufler tätig und war von 1955 bis 1965 der Schriftleiter der Fachzeitschrift „Der Druckspiegel“.
Weidemann war aber nicht nur innerhalb der deutschen Grenzen tätig sondern auch im Ausland. In den USA, in New York, baute er zusammen mit Aaron Burns das „ International Center of Typographic Arts (ICTA)“ auf. Von 1966 bis 1972 war er der Präsident dieser Einrichtung.
1965 wurde Kurt Weidemann als Professor an die Stuttgarter Akademie berufen, wo er 20 Jahre lang den „Lehrstuhl für Grafische Praxis“ unterrichtete. Außerdem war er von 1970 2 Jahre als Präsident des „Internationalen Dachverbandes der Grafikerverbände (Icograda)“ und beteiligte sich zu Beginn der 1980er Jahre, an Gründung der „WHU – Otto Beisheim School of Management “ in Vallendar. Er lehrte gleichzeitig an der WHU und an der staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.
- Logoprofi Gründer Marius Gasse mit Kurt Weidemann im Designzentrum Essen (2006)
Seine Fähigkeiten als Grafikdesigner konnte er beim Entwerfen oder Überarbeiten von Erscheinungsbildern, uns nicht unbekannter Unternehmen zeigen. So hat er beim Gestalten der Erscheinungsbilder folgender Marken mitgewirkt:
In den 1960er entwarf er die Erscheinungsbilder für co op (Supermärkte), Zeiss (Aktiengesellschaft) und Merck.
Ende der 1980er war er zunächst als Gutachter in Fragen des Erscheinungsbildes für Mercedes-Benz tätig, was sich im Nachhinein so entwickelt hat, dass er dann als Berater bei Daimler-Benz für die „Corporate Identity“ des Unternehmens arbeitete.
Zu Beginn der 1990er überarbeitete Weidemann, für den Autohersteller Porsche AG, den Namenszug und das Wappen. Im Zusammenhang mit dem Auftrag bei Daimler unterstand Weidemann natürlich dem Wettbewerbsverbot, so dass er zuerst den Mercedes-Chef persönlich anfragte, ob er bei einem Wettbewerber tätig werden dürfe. Dieser kommentierte seine Anfrage um Erlaubnis nur damit, dass es etwas wie Nachbarschaftshilfe wäre.
1993 überarbeitete Kurt Weidemann das Erscheinungsbild der Deutschen Bahn und machte es zu dem, wie wir es heute kennen. Das führte damals zu einer Kontroverse über das Gehalt, welches er für die Überarbeitung bekam. In der Fernsehshow “Stern TV” bei Günther Jauch sollte er die Frage nach der Dauer der Überarbeitung beantworten. Er konnte mit Stolz behaupten, dass er lediglich 20 Minuten für die Überarbeitung benötigte. Dafür bekam er 120.000 D-Mark Honorar. Was in der Diskussion stets in den Hintergrund gerät, ist dass dieses Honorar auch die Anpassung für alle Kommunikationsmittel der Deutschen Bahn beinhaltete. Bei einem Konzern wie der Bahn ist das natürlich beachtlich. Und um die Diskussion zum Ende zu führen, brachte er Günther Jauch mit seinem Kommentar “Wenn Sie das umrechnen, kommt ein Stundenlohn heraus, für den würden Sie hier im Fernsehen noch nicht mal den Mund aufmachen” zum Schweigen, wie man in einem Interview auf www.goodnews-stuttgart.de (Okt/2009) nachlesen kann.
Popularity: 10%
Suchbegriffe:
- kurt weidemann logos
- Kurt Weidemann
- kurt weidemann mercedes
- kurt weidemann werke
- kurt weidemann logo
- mercedes benz logo neu
- Zeiss logo kurt weidemann
- kurt weidemann homepage
- zeiss weidemann
- zeiss kurt weidemann







1 Comment
Jula
11. Februar 2011äußerst interessant und aufschlussreich.
& wirklich wunderbar geschrieben.